Konzept 

"In Ruhe voneinander lernen. In Ruhe miteinander lernen"

Die Volksschule Liebenau ist eine etwas andere, eine besondere Schule: Wir sind eine ganztägige Schulform mit verschränkter Abfolge. Das bedeutet, dass wir Ihrem Kind einen abwechslungsreichen und kindgerechten Schultag bieten: mit Bewegung und Entspannung, Forschen und Entdecken, mit Zeit für Action und Zeit für Ruhe, mit Zeit für dich und auch für mich, mit Zeit zum Lernen und zum Seele-baumeln-lassen.

Seit dem Schuljahr 2008/09 bieten wir ab den ersten Klassen ausschließlich die ganztägige Schulform mit verschränkter Abfolge an, d.h. die Eltern melden ihre Kinder beim Stadtschulamt verpflichtend zur Tagesbetreuung während der ganzen Woche (5 Tage) an. Montag bis Donnerstag ist Ihr Kind mindestens bis 16 Uhr (bis längstens 17.45 Uhr) in der Schule, am Freitag endet der Schultag nach dem Mittagessen (bis längstens 17.00 Uhr).

Vormittags lernen und nachmittags Hausaufgaben machen gibt es bei uns nicht mehr. Ein Schultag in einer verschränkten Ganztagesschule (GTS) nutzt den Tag effektiver: Wir bieten sogenannte Lernblöcke an, die durch ausgedehnte Freizeitphasen und durch ein warmes Mittagessen unterbrochen werden. Dies schafft uns die Möglichkeit, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder besser einzugehen. Mit viel Umsicht und pädagogischem Geschick gestaltet das LehrerInnen-Team einen spannenden und abwechslungsreichen Tag. Das ist auch der Grund dafür, dass Sie als Eltern keinen fixen Stundenplan von Ihrem Kind bekommen.

Unser Pädagogisches Konzept:

Das Team der VS Liebenau arbeitet bereits das zehnte Jahr in der ganztägigen Schulform.

Teamfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz, die LehrerInnen ihren SchülerInnen vermitteln, indem sie vorbildhaft vorgelebt wird. Die Teams der jeweiligen Schulstufe (KlassenlehrerInnen und TeamlehrerInnen) erstellen gemeinsam die Jahresplanung zu Beginn des Schuljahres. Wöchentlich trifft sich das Team wieder, einerseits um die vergangene Woche zu reflektieren, andererseits, um die nächste Woche gemeinsam zu planen.

Das Team der VS Liebenau pflegt den Kontakt zur Elternschaft. Da der Großteil unserer Schulkinder in die Schule gebracht und wieder abgeholt wird, ergeben sich eine Vielzahl von unkomplizierten und regelmäßigen Kontakten.

Bei Ausfällen eines Lehrers (Krankheit, Fortbildung...) sorgt eine Lehrerin des Teams dafür, dass der Unterricht und die Betreuung der Kinder verlässlich und gut geplant fortgeführt wird.

Die Schulleitung selbst blickt auf eine lange Erfahrung in der ganztägigen Betreuung von Kindern zurück. Wir kennen die spezielle Thematik der reinen Nachmittagsbetreuung aus der Sicht der Lehrerin/Schulleiterin, der Eltern und der Kinder. Es ist uns ein Anliegen, dass Eltern wissen, dass ihre Kinder bei uns gut aufgehoben sind und sie selbst in Ruhe ihren Beruf ausüben können. Ganz besonders wichtig ist es, ständig Rückmeldungen von den Kindern, Eltern und LehrerInnen einzuholen. Die Schulleitung ist besonders gefordert, den psychischen und physischen Zustand aller Menschen, die in diesem Team zum Wohle der Kinder zusammenarbeiten (LehrerInnen, Köchin, Schulwartin) zu beobachten. Belastungen müssen umsichtig und mit Augenmaß verteilt werden. Manchmal muss vielleicht sogar zu viel Engagement eingebremst werden, damit die Kraft verlässlich bis zum Schulschluss da ist.

Das Team der VS Liebenau hat keine Scheu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gute Zusammenarbeit mit der Beratungslehrerin, dem SPZ (Erstellung von Förderplänen), der Schulpsychologie, dem schulärztlichen Dienst, der Sozialarbeit und der Jugendwohlfahrt und der Steiermärkischen Landesregierung.

Eltern der VS Liebenau wissen, dass sie eine besondere Verantwortung für die Erziehung und Versorgung ihrer Kinder haben. Das LehrerInnenteam unterstützt, begleitet und ergänzt sie gerne und professionell, jedoch entbindet sie  damit nicht ihrer Verantwortung. Die Eltern schätzen unsere Bemühungen um eine gute Tagesbetreuung und unser pädagogisches Konzept. Wir stehen für die zentralen Bausteine von gutem Unterricht (das Prinzip der Individualisierung und das Prinzip der Ergebnisverantwortlichkeit) mit den zentralen Bedürfnissen der Kinder nach Dingen „außerhalb des Unterrichts“ (Bewegung, Kreativität, Musik, Spiel, Feier, Freizeitaktivitäten, Ruhe).

Aus der Sicht der Eltern

  • GTS ist geeignete Betreuungsform für berufstätige Eltern.
  • GTS ist familienergänzend (Aufgaben sind erledigt).
  • Zufriedene Eltern sind bessere Eltern: Familie und Beruf sind für Vater und Mutter besser vereinbar.
  • Unregelmäßige Unterrichtszeiten lassen sich mit Berufstätigkeit nicht abstimmen.
  • Qualität des Zusammenseins gewinnt. Am Abend und am Wochenende bleibt Zeit und Energie für die Beziehung.
  • Alle Kinder bleiben den Tag über zusammen.
  • Einzelkind hat in der Schule ganz unkompliziert genügend Kinder zum Spielen.
  • Möglichkeit für Einzelkinder, wie mit „Geschwistern“ aufzuwachsen.
  • „Kindertreffen“ am Nachmittag müssen nicht telefonisch arrangiert werden.
  • Weniger Übergänge und weniger Betreuungspersonen, unregelmäßiger Wechsel der Betreuungspersonen (Oma...) belasten das Kind!
  • Hohes Maß an Konstanz geben Ruhe und Sicherheit.
  • Keine Hausaufgaben! Kinder gehen unbeschwerter nach Hause.

Aus der Sicht der LehrerInnen

Die LehrerInnen genießen das „Arbeiten im Team“. Sie empfinden die schulische Arbeit als eine enorme Herausforderung, erledigen sie mit großem Einsatz und viel Zeitaufwand. Das Leistungsvermögen und die Leistungsbereitschaft und die vielen positiven Rückmeldungen erzeugen sichtbar „Arbeitsglück“.

Besonders am Nachmittag ergeben sich eine Vielzahl von Gesprächen. Diese Gespräche sind intensiv und nach einem langen Arbeitstag manchmal zu viel. Darum sind die Lehrerinnen dazu übergegangen, Gesprächstermine zu vereinbaren.

Besonders bereichernd empfinden es die Lehrerinnen, dass sie „ihre“ Kinder nicht nur im Unterricht erleben, sondern auch z.B. beim Essen, bei der Freizeit usw.

Die GTS bietet einen Rahmen, um neue Lehr- und Lernformen in Ruhe  umzusetzen. Ebenso ist die Arbeit an Projekten leichter durchzuführen. Deshalb entsteht auch leichter ein Wir-Gefühl und eine gemeinsame Klassenkultur.

Aus der Sicht der Schulleitung

Kommunikation ist alles! Wir alle schätzen Offenheit, Wertschätzung und Respekt und tun viel dafür um Lebensräume schaffen zu schaffen.

Die Schulleitung ist sich ihrer Verantwortung bewusst und gibt den LehrerInnen gleichzeitig möglichst viel Spielraum und Autonomie.

Verschränkte Ganztagesschule macht neugierig: Wir bekommen beinahe täglich Anrufe und Besuche von Direktoren, interessierten Schulen, Elternvereinsleuten, Bürgermeister, Personalvertretern, Mitgliedern des Zentralausschusses ...

Auskünfte über die GTS in verschränkter Form sind gewünscht. Es dauert viele Stunden, bis alles erklärt ist. Das Interesse an einer solchen Schulform sinkt aber sehr rasch, wenn die Besucher erfahren, dass man „dafür“ keine zusätzlichen Ressourcen bekommt. Weder für die Schule, noch für die LehrerInnen oder die Schulleitung. Die Besucher „vom Land“ zeigen sich auch immer wieder bestürzt über die „Einfachheit“ und die Ausstattung unseres Schulhauses. Mit einem guten Team mit viel Engagement und Idealismus gelingt es trotzdem.

Das haben wir!

  • Küche mit einem guten Team („Gourmet“, 3 Köchinnen, Schulwartin)
  • Speisesaal
  • Turnsaal
  • Schülerbibliothek
  • Spielwiese mit Kletterwand, Sandkasten, Spielekisten, Basketballkörbe, Fußballtore und Geschicklichkeitsparcours
  • Computerraum mit 15 Arbeitsplätzen
  • Internet (Kidsnet) in jedem Klassenraum
  • Trinkbrunnen im Garten
  • Jedes Klassenzimmer wird den ganzen Tag benützt. Darüber hinaus gibt es keine weiteren Räumlichkeiten
  • Konferenzzimmer: Damit ist ein Arbeitsplatz für die LehrerInnen, die den ganzen Tag in der Schule sind, vorhanden.
  • Es gibt ebenso eine Rückzugsmöglichkeit, eine kleine Ruheinsel für LehrerInnen.

Was ist wünschenswert?

  • Ein zusätzlicher Bewegungsraum (Tischtennis, Tischfußball...)
  • Rückzugsmöglichkeiten für SchülerInnen (um Musik mit Kopfhörern zu hören, zu liegen, zu träumen)
  • Ein Besprechungszimmer (für Elterngespräche, Beratungsgespräche, Nachbesprechungen mit Studenten...)
  • Fortbildungsmöglichkeiten, die den besonderen Erfordernissen der GTS Rechnung tragen und der Weiterqualifizierung der LehrerInnen dienen.
  • Kontaktaufnahme und Austausch mit Volksschulen mit ähnlichen Konzepten
  • Ausbau der Lehrerbücherei

Wie gelingt es?

  • Rhythmisierung von Bildungs- und Freizeitangeboten
    Das LehrerInnenteam erstellt entsprechende Jahres-, Wochen- und Tagesplanungen. Für diese notwendigen Planungs- bzw. Reflexionsgespräche muss „Raum“ (zeitlich und räumlich) geschaffen werden.
  • Veränderung der starren Stundeneinteilung
    Ein Schultag ist eine Abfolge von Unterrichtsblöcken, Bewegungsangeboten, kreativ-musisch-handwerklichen Tätigkeiten, Rückzugsmöglichkeiten, Zerstreuung, Gesprächen, Essen und Jausnen und Spielen.
  • Öffnung der Schule
    Kooperationsmöglichkeiten und Austausch mit der Schulnachbarschaft werden gesucht. Die Arbeitswelt, Vereine, Einrichtungen der Gemeinde und andere außerschulische Partner arbeiten mit den LehrerInnen zusammen.
  • Beteiligungskultur
    Eltern arbeiten aktiv mit! In der Früh ist immer große Eile. Das Gespräch suchen Eltern eher beim Abholen am Nachmittag. Verstärkte Ermunterung von Eltern zur Mitarbeit bei schulischen Angeboten.
    Beispiel: Die tägliche „gemeinsame Jause“ (gemeinsames Kaffeetrinken, jausnen). Dieses ungezwungene Miteinander ermöglicht viele Gespräche, geleistete Arbeiten können gezeigt werden und entsprechend gewürdigt werden - eine ausgezeichnete Möglichkeit, Eltern „auf dem Laufenden“ zu halten, sie zu „Mitwissern“ zu machen und ihre Beteiligung einzufordern.
  • Veränderung des „Rollenverständnisses“
    Die LehrerInnen werden ganzheitlich als Wissensvermittler, Erzieher und Betreuer gefordert. Sie übernehmen ganzheitlich Verantwortung für den schulischen Erfolg der Kinder. Die Eltern wissen um ihre Verantwortung als Erzieher und Versorger. Hier sind die LehrerInnen ihre Begleiter.
  • Unterstützung und wissenschaftliche Begleitung
    Auf die Zusammenarbeit mit den beiden pädagogischen Akademien werden wir verstärkt Wert legen. Die wissenschaftliche Begleitung ist uns ein großes Anliegen. Hier sollten Methoden eingesetzt werden, die den Prozess der Entwicklung erheben, protokollieren und in einem Bericht zusammen fassen. Es sollen die besonderen Herausforderungen und der Gewinn der Entwicklung herausgearbeitet werden.
  • Zu Hause die Zeit genießen
    In der verschränkten GTS gibt es keine Hausaufgaben im herkömmlichen Sinne. Das individuelle Üben, Festigen und Wiederholen geschieht in der Schule. Damit wollen wir den Eltern die Möglichkeit geben, die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern in Ruhe zu verbringen. Lediglich die Lesemappe kommt täglich mit nach Hause, damit die Kinder der Mama, dem Papa und den Großeltern stolz ihre Fortschritte zeigen können. Sollte durch Krankheit oder Leistungsabfall ein Üben zu Hause notwendig sein, hält das LehrerInnen-Team mit Ihnen Rücksprache.
  • Zusammenarbeit mit der Schulpsychologie
    Untersuchungen zu Fragen der Befindlichkeit der Eltern und Kinder in den Klassen.
  • Selbstevaluation bzw. Fremdevaluation
    Formulierung von Indikatoren und Erfolgskriterien

So könnte ein Schultag aussehen:

7:00 – 7:30 Frühaufsicht
7:30 – 7:45 Zeit des Ankommens, Auspackens und Begrüßens
7:45 – 8:15 Gemeinsamer Beginn (Lied, Spiel, Geschichte, Morgenkreis), Besprechung der groben Struktur der Tagesvorhaben mit den Kindern (visualisiert durch Zeichen und Symbole)
8:15 – 9:30 Unterrichtsbezogene Einheit (1. Block)
9:30 – 9:45 gemeinsame Vormittagsjause
9:45 – 10:15 Klettern, laufen und tratschen möglichst im Freien
10:15 – 11.40 Musisches, kreatives, bildnerisches, handwerkliches Angebot (2. Block)
11.40 – 12.10 gemeinsames Mittagessen
12.10 – 12:40 Mittagspause (möglichst im Freien)
12:40 – 13:30 gelenkte Bewegungseinheit
13:30 – 14:30 Themenbezogene Vorhaben, zB Projekte (3. Block)
14:30 – 15:00 Individuelles Fördern, Üben und Festigen
15:00 – 17.45 Jause, Zusammenräumen, Rückzugsmöglichkeit, Spielen, Elterngespräche, Zusatzangebote